Journal



28. Jul. 2010, 10:10 Uhr

BD Athleten Sonnie Trotter und Alex Honnold realisieren die erste Rotpunktbegehung einer 5.13a-Route von 28-Seillängen in Mexiko in nur einem Tag

Sonnie Trotter und Alex Honnold können beide 5.13 klettern. Das wäre also nicht das Problem. Aber eine Mehrseillängenroute in Mexiko im Schwierigkeitsgrad 5.13 mit 28 Seillängen an einem Tag? Das stellt sogar für diese beiden erfahrenen Kletterer eine Herausforderung dar. Wie bei jedem echten Abenteuer kamen die eigentlichen Herausforderungen erst zutage, als die Reise bereits begonnen hatte. Allein die Wand zu finden erwies sich als Tortur. Brüchige Griffe machten eine Onsight-Begehung unmöglich und mit den fragwürdigen Operationen, die die Einheimischen dort am Wandfuss durchführten, würden sich die meisten Leute schnell aus dem Staub machen und wieder nach Hause fahren.

Aber das hartnäckige Duo hielt durch und kehrte mit einer tollen Story zurück, die wir in unserer neuen Broschüre Herbst 2010 vorstellen möchten. Warum? Wir nach über 25 Jahren als Hersteller einer der weltweit besten Kletterausrüstung noch immer Feuer und Flamme für Geschichten von Kletterern sind, die unsere Klettergurte, Karabiner, Quickdraws, Rucksäcke und andere Ausrüstungsgegenstände verwenden und nach neuen Abenteuern und Herausforderungen suchen, denen die Ausrüstung anderer Hersteller gar nicht standhalten würde - wie bei Alex' und Sonnies Mexiko-Mission. Wir sind stolz, dass sich diese Kletterer für unsere Ausrüstung entschieden haben. Aus diesem Grunde soll unser Name auch weiterhin für Innovation, tolles Design und technisch ausgereifte Produkte stehen, die bei den wilden Abenteuern in der vertikalen Welt zum Einsatz kommen, ganz gleich ob bei einem Boulderproblem mit vier Zügen oder in einer viertägigen Bigwall-Begehung.

Nachfolgend findest du Sonnies Story über diese Route sowie Fotos von Andrew Burr (der als Fotograf und Fahrer mit von der Partie war). In Kürze gibt es auch einen vierteiligen Videoclip von Sonnies und Alex' Abenteuer, der voller Inspiration und Unterhaltung steckt. Schau also regelmässig beim Journal vorbei.
Unsere Kletterbroschüre für den Herbst 2010 ist ab 15.September verfügbar. Du kannst dir deine Broschüre unter der Adresse climb@blackdiamond.eu bestellen.



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ABENTEUERLAND MEXIKO

Eine unheilvolle Stimmung liegt in der Luft. Um 3.30 Uhr, tief in den wilden Canyons des Basaseachi National Park, schlichen wir im Licht des Vollmonds geduckt durch das felsige Tal. Jeder Schritt musste präzise und jeder Atemzug absolut lautlos durchgeführt werden. Weniger als 50 Meter weiter unten brannte ein Lagerfeuer, wo eine Gruppe Männer ihre versteckten Marihuanafelder am Fusse der Wand bewachten und „pflegten".

Noch vor weniger als einer Woche sass ich vor meinem Laptop in Squamish, British Columbia, und führte regen E-Mail-Verkehr mit meinen beiden Begleitern Alex Honnold und Andrew Burr. Die Frage war, ob wir hier in Mexiko, in diesem gesetzlosen Landstrich, in dem der Drogenhandel offenbar florierte, klettern gehen sollten - könnten - würden? Es war aus allen vernünftigen und praktischen Gründen offensichtlich, dass wir nicht hierher hätten kommen sollen. Völliger Unsinn, hier heimlich still und leise durch den Dschungel zu kriechen. Ich sah nach links und betrachtete die eindrucksvolle Wand des El Gigante, deren 823 Meter Höhe mich einladend anblitzten. Der Gedanke daran, jetzt umzudrehen und nach Hause zu fahren, erschien mir sinnlos und nichtssagend.

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Dies würde unser zweiter Versuch von „Logical Progression" sein, einer 28 Seillängen langen 5.13, die als längste Sportkletterroute der Welt gilt. Unser erster Versuch wurde von einer Reihe an Schwierigkeiten gebremst. Technisches Klettern an komplexem vulkanischen Tuff und einige gebrochene Griffe zwangen uns nach der 18. Seillänge, auf der „Critter Ledge" zu biwakieren, bevor wir am nächsten Tag den Gipfel erreichten. Alex und ich hatten eigentlich gehofft, die gesamte Wand an einem Tag klettern zu können. Nach einer mindestens 30-stündigen Autofahrt von Las Vegas erschien uns alles andere als inakzeptabel. Mit zusammengepressten Lippen und geschärften Sinnen arbeiteten wir uns in der Dunkelheit voran.

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Als wir den Wandfuss erreichten, benutzten wir unsere Stirnlampen nur kurz, um unsere Sachen zusammenzusuchen. Als ich meine Schuhe schnürte und mich auf die erste Seillänge vorbereitete, flüsterte Alex „Wenn du am Stand ankommst, zieh einfach das Seil ein und schrei nicht herunter... Ich werde 30 Sekunden warten, bevor ich losstarte... wenn wir Glück haben, können wir einige Seillängen hinter uns bringen, bevor sie uns entdecken." Burr war Support-Team und Fotograf in einer Person (unser Erfolg war nicht zuletzt auch seiner Energie und Motivation zu verdanken). Von hier aus würde er mit unseren Schuhen, Rucksäcken und zusätzlichen Klamotten zum Gipfel aufsteigen und uns dort treffen, hoffentlich innerhalb der von uns geschätzten 18 Stunden. Dies bedeutete jedoch, dass Burr zurückgehen musste... allein... in der Dunkelheit... an den Gesetzlosen und ihren Marihuanafeldern vorbei.

Ich gab Burr den höchsten aller „High Fives", bevor er in der Dunkelheit der Nacht verschwand, drehte mich dann zum Fels, sog noch einmal tief die frische Morgenluft ein und verliess den Boden...

Sonnie Trotter und Alex Honnold erreichten den Gipfel des El Gigante in nur 15 Stunden. Beide konnten alle Seillängen rotpunkt klettern, sodass sie nicht nur die erste Rotpunktbegehung sondern auch die erste Begehung von Logical Progression (V 5.13a) an einem Tag realisieren konnten.

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