BD Athlet Nico Favresse und sein Team klettern 5.13 A1 in Baffin Island
Nico Favresse hat sporadisch Berichte von seinem zweimonatigen Aufenthalt auf Baffin Island (siehe Updates 1, 2, 3, 4 und 5) geschickt und ist nun mit tollen Nachrichten über die beinahe vollständig frei gekletterte Begehung der 850 Meter hohen Westwand (5.13, A1) des Mount Asgard heimgekehrt. Favresse, sein Bruder Olivier, Sean Villanueva und Stephane Hansens verbrachten zwei Monate auf Baffin Island, um im abgelegenen Weasel Valley neue Routen zu erschließen. Das Team konnte insgesamt vier Erstbegehungen von bis zu 1200 Meter Höhe realisieren, alles Single-Push-Begehungen (mehr als 18 Std. Klettern) und alle Seillängen ausser einer Passage von einem Meter frei. Unten findet ihr Nicos Bericht sowie einige Fotos.

Sean Villanueva, Stephane Hanssens, Olivier Favresse und ich sind gerade von unserer Expedition auf Baffin Island zurückgekommen. Das war eine echt tolle Reise! Freiklettern auf Baffin ist einfach grossartig und es scheint ein unbegrenztes Potential an frei kletterbaren Routen und Erstbegehungen zu geben. Unser Hauptziel waren Routen rund um Mount Asgard, der mit zwei zylindrischen Felstürmen sowie seinen extrem steilen und langen Wänden zu den verrücktesten Felsformationen gehört, die ich je gesehen habe.
Abgesehen vom Klettern besteht eine der grössten Schwierigkeiten in der Abgeschiedenheit dieses Ortes. Im Laufe von 45 Tagen sind wir einen ganzen Monat marschiert (etwa 600 km) und haben Lasten geschleppt (drei Wochen bergauf/eine Woche bergab), für nur zwei Kletterwochen! Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber für uns waren das Klettern und der Ort so einmalig, dass sich der Aufwand am Ende doch gelohnt hat. Der ganze Weg zum Mount Asgard war von riesigen Feldern mit Boulderblöcken gesäumt, dazwischen weiche Tundra als perfektes Absprunggelände, so dass wir uns fit halten konnten. Allein schon das Bouldern dort ist eine Reise wert.
Silvia Vidal, eine auf Trad-Climbing und Solobegehungen spezialisierte Kletterin aus Cataluña, schloss sich uns an, was ihre Logistik als Solokletterin erleichterte. Nachdem sie über einige Tage hinweg ihre Ausrüstung zum Fusse der Tirokwa Wall (ihr ursprüngliches Ziel) getragen hatte, verspürte sie angesichts dieser Wand nicht ausreichend Motivation, um dort in einer Solobegehung eine neue Route einzurichten. Stattdessen entschied sie sich, einige Trekkingtouren zu machen.
Wir haben sie schliesslich dazu eingeladen, mit uns am Mount Asgard zu klettern. Für uns als Freikletterer war das eine interessante Sache, und wir dachten, dass wir von einer Trad-Spezialistin einiges lernen könnten. Ausserdem hatte sie eine Portaledge, was angenehm war, denn wir hatten um Gewicht zu sparen nur eine Portaledge und zwei Hängematten. Nun musste immer nur einer von uns in der Hängematte schlafen.
Kurz nachdem in das Weasel Valley aufgebrochen waren, tauchten viele Felswände vor uns auf. Nach einigen anstrengenden Marschtagen hielten wir es nicht mehr aus und mussten einfach klettern gehen. Wir teilten uns in zwei Teams auf, und es war nicht leicht, sich bei so vielen Möglichkeiten für nur zwei Routen zu entscheiden.
Sean und Steph konnten vermutlich die Erstbegehung des Northwest Buttress der Tirokwa Wall einheimsen. Sie nannten die Route „Chocolate Boomerang" (700 m, 6c+/7a) und erreichten den Gipfel innerhalb von 24 Stunden, von Camp zu Camp. „Chocolate Boomerang" folgt einer Linie, an der sich zuvor schon ein paar Australier versucht hatten. Der Fels ist erstklassig und die Kletterei anspruchsvoll mit einigen Runouts.
Inzwischen kletterten mein Bruder Olivier und ich an einem unberührten Felsturm an der Seite des Mount Odin. Wir wählten die auffälligste Linie des Turms, die wie ein Bug aussah, und richteten dort die Route „Le Bic Rouge de Odin" mit 20 Seillängen im Schwierigkeitsgrad 6a/b ein. Wahrscheinlich war dies die erste Begehung des Turms.
Nach diesem Ausflug fühlten wir uns beim Schleppen unserer Ausrüstung (60 km) zum Basislager unseres eigentlichen Ziels - Mount Asgard - schon etwas besser. Nach einem Abstecher in zwei bekannte Trad-Routen, Inukshuk am nördlichen Turm und die Bavarian Route am südlichen Turm, entschlossen wir uns, die Bavarian Route frei zu versuchen.
Wir konnten die durchgehend erstklassige und anspruchsvolle Route mit Schwierigkeiten im Bereich 7c/7c+ nach 11 Tagen in der Wand fast frei klettern, wobei wir die schweren Seillängen im Wechsel vorstiegen.
Da das Eis seit der Erstbegehung 1996 ein ganzes Stück zurückgegangen war, befand sich der erste Haken der Route mittlerweile 15 Meter über dem Boden. Daher erhielt die Route eine neue Seillänge in einem fast blanken Bereich der Wand. Nach einem fehlgeschlagenem Versuch, diese Seillänge von unten frei zu klettern schickten wir Silvia (unsere Trad-Expertin) mit ihren Babys in die Route (Copperheads, Hooks und andere gefinkelte Werkzeuge), um das Problem zu lösen, welches sich in ihren Worten als „sehr nette A4+" entpuppte. Uns schien ein potentieller Aufprall auf den Boden am Copperhead #1 keine gute Aussicht! Wir mussten diese Seillänge headpointen, konnten sie aber mit 7b - X oder E8 als frei kletterbar bewerten. Die meisten der schwereren Seillänge mussten rotpunkt geklettert werden, einige mussten wir headpointen, um nicht noch mehr Bolts anbringen zu müssen. Die Felsqualität und die Kletterei an diesem Fels war absolut herausragend. Die meisten Seillängen verliefen über Risssysteme kombiniert mit harter Wandkletterei und Traversen von Riss zu Riss.
Um die Route frei klettern zu können, mussten wir einige Male von der ursprünglichen Linie abweichen, so dass fast die Hälfte über neuem Gelände verläuft. Wir nannten unsere Variation The Belgarian, um die gemeinsamen Anstrengungen von Bayern und Belgiern zu unterstreichen. Leider müssen wir anmerken, dass die Erstbegehung nicht im allerbesten Stil durchgeführt wurde - wir fanden viele Löcher für Bat-Hooks, Rivet-Leitern und sogar Bohrhaken neben perfekten Rissen.
In der 7. Seillänge konnte ich einen kurzen Abschnitt von einem Meter vom Stand weg nicht mit der Seillänge verbinden und durchsteigen. Ich konnte jedoch die einzelnen Züge klettern, daher ist die Route sicher frei kletterbar. Aber das war einfach zu schwer für uns, vor allem nach der ganzen Schlepperei. Diese Schlüsselseillänge würde ich mindestens mit 7c+/8a bewerten. Also mussten wir diesen kurzen Abschnitt technisch bezwingen. (Wir sollten jedoch anmerken, dass einige der anderen Seillängen Rotpunkt geklettert werden konnten, nachdem wir den Gipfel erreicht hatten.)
Nach einigen Tagen Erholung und Jam-Sessions mit Akkordeon, Mandoline, Blechflöte, Mundharmonika und Trommeln im Basecamp brachen wir im Alpinstil zum nördlichen Turm auf. Sean and Stephane wiederholten die Porter Route in 24 Stunden Non-Stop-Klettern. Sie konnten alle bis auf drei Seillängen onsight klettern, und diese drei Längen könnten ebenfalls mit ein wenig Auschecken frei geklettert werden.
Olivier and I climbed the northeast face of the north tower with we believe a new line following Serenity Crack (a classic Yosemite crack) like splitters.
Olivier und ich kletterten an der Nordost-Wand des nördlichen Turms mit einer, wie wir glauben, neuen Linie mit Strukturen, die dem Serenity Crack (ein Yosemite-Klassiker) unglaublich ähnlich sehen. Wir glauben, dass einige Seillängen im oberen Bereich in eine Linie übergehen, die in dieser Saison von den Kanadiern Jon Walsh und Chris Brazeau eingerichtet wurde. Die Qualität der Route war umwerfend. Beide von uns konnten die Route sturzfrei und onsight in etwa 24 Stunden klettern. Die anhaltend schwierige Route bewegt sich im Schwierigkeitsbereich 6b+/6c mit technisch anspruchsvollen Passagen und Runouts zwischen Rissen.
Wir hatten eine geniale Zeit auf Baffin. Das Wetter war extrem gut mit angenehmen Temperaturen und fast keinen Niederschlägen. Im Sommer wird es auf Baffin nicht dunkel, daher sind lange alpine Aktionen gut durchzuführen. Während unseres gesamten Aufenthalts brauchten wir kein einziges Mal eine Stirnlampe! Wir waren sicher nicht das letzte Mal dort. Die Zukunft des Freikletterns an Bigwalls liegt auf jeden Fall dort.
- Nico



































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