Ausrüstungsmythen Schnapper nach innen oder aussen?

Beatles oder Rolling Stones? Vanille oder Schokolade? Schnapper nach innen oder aussen??? 

Dies sind polarisierende und wichtige Entscheidungen, über die wir uns definieren. Ok, das klingt vielleicht ein wenig übertrieben, aber mal ernsthaft – in welche Richtung zeigen die Schnapper Deiner Karabiner am Klettergurt? Nach innen zu Deinen Hüften, oder nach aussen? Und WARUM? Noch wichtiger, wir wollen die quälende Frage klären – welche Richtung ist die „richtige“? In anderen Worten, ist es effizienter, wenn die Schnapper nach innen zeigen, oder umgekehrt?

Sieh Dir die folgenden Beispiele an, um die Frage noch besser nachvollziehen zu können.

Hier zeigen wir Beispiel A – die klassische Methode mit Schnappern nach innen.

Und Beispiel B – die alternative Methode mit Schnappern nach aussen.

In dieser ersten Ausgabe der Black Diamond Ausrüstungsmythen unterhalten wir uns mit einigen Kletterprofis und Locals über ihre bevorzugte Schnapperausrichtung am Gurt und analysieren zusammen mit Kolin Powick, Climbing Category Director und Mitarbeiter des QC Lab, welche Methode tatsächlich von Black Diamond empfohlen wird.

Wen fragen wir zuerst? Den unvergleichlichen Trad-Kletter-Papa Sonnie „Sunshine“ Trotter. BlackDiamond-Athlet Sonnie Trotter klettert bereits seit zwei Jahrzehnten in den oberen Schwierigkeitsgraden. Von 9 a Sportkletterrouten bis 8 b+ Trad-Routen war Sonnie schon überall erfolgreich unterwegs. Es liegt auf der Hand, dass sich dieser Mann mit Ausrüstung wie dem LiveWire-Quickdraw oder dem Utralight Camalot am Klettergurt auskennt. 

Wir haben schnell herausgefunden, dass Veteranen wie Sonnie die Frage von Schnapper nach innen oder aussen so empfinden, als würde man einen eingefleischten Hiphop-Fan fragen, ob er Tupac oder Biggie (oh ja, wir waren kürzlich auf einem Konzert) bevorzugt. Sonnie hatte seine Antwort zur richtigen Richtung schnell parat.

„Es ist immer besser, wenn die Schnapper nach aussen zeigen. Auf diese Weise liegen sie flacher an der Hüfte an und verdrehen sich nicht so leicht an der Materialschlaufe.“, erklärte Sonnie.

Er ging sogar noch einen Schritt weiter, um sein Argument zu untermauern.

„Hänge einfach sechs oder sieben Karabiner mit Schnappern nach innen an Deinen Gurt. Beobachte, wie sie abstehen und sich leicht verdrehen können. Drehe sie um, sodass die Schnapper nach aussen zeigen, und beachte, wie flach sie auf diese Weise an der Materialschlaufe hängen.“


Image: Kolin Powick

Nach weiteren Interviews kamen schnell eine ganze Reihe an Schnapper nach aussen-Befürwortern zusammen. 

Black Diamond-Athletin Colette McInerney findet, dass sie mit Schnappern nach aussen mehr „Kontrolle“ hat.

„Ich würde sagen, dass es für mich einfacher ist, weil mein Daumen den Karabiner besser greifen kann, wenn der Schnapper nach aussen zeigt.“, erzählte sie.

Als wir sie fragten, wie sie auf diese Methode gekommen war, sagte sie, dass sie das von Joe Kinder und Dave Graham übernommen hatte.

„Ich erinnere mich an eine Diskussion mit Joe und Dave auf einer Kletterreise, bei der es um diese Frage ging.“, sagte Collette. „Sie fachsimpelten darüber, in welche Richtung die Schnapper am besten zeigen sollten. Und ich glaube, dass sie beide die Karabiner mit Schnappern nach aussen an ihren Gurt hängten.“

Black Diamond Ambassador, Abenteurer, Filmemacher und Fotograf Tim Kemple hatte eine einfache Erklärung, warum die Schnapper nur nach aussen zeigen sollten.
 
„Weil es einfach besser ist.“, sagte Tim trocken.
 
Als wir bezüglich des WARUM nicht locker liessen, schloss er sich Sonnies Erklärung an.
 
„Die Schlingen liegen auf diese Weise einfach besser.“


Image: Andy Earl
 
OK. Ist also Schnapper nach aussen DIE richtige Richtung? Gegenargumente zu den Aussagen dieser Profis zu finden, wird wohl nicht so leicht werden. Selbst die unangefochtene „Queen of Maple Canyon“ und lokale Damengrösse Ellen Powick pflichtete dem bei.
 
„Schnapper nach aussen, so und nicht anders.“  
 
Dann lieferte sie ihre Erklärung.  
 
„Den Schnapper mit dem Daumen zu öffnen und das Handgelenk nach aussen zu drehen, scheint einfach eine natürliche und ergonomische Bewegung zu sein, im Gegensatz zur Bewegung, die die Hand macht, wenn der Schnapper nach innen zeigt.“ meinte sie.  
 
Wow. Ergonomisch. Jetzt kommen wir zur Sache.  


Image: Will Saunders
 
Nichts ist jedoch in Stein gemeisselt, bis der wahre Guru spricht – Ellens Eheman, Kolin Powick, der begnadete Ingenieur, wie sie ihn bei Black Diamond nennen.
 
Und siehe da... Kolin Powick, Climbing Category Director bei Black Diamond, der Mann, der das gesamte Design und die Produktion unserer Ausrüstung überwacht, ist für SCHNAPPER NACH INNEN. So und nicht anders. Und als wir ihn mit der ganzen Fachsimpelei bezüglich der Schnapper nach aussen konfrontierten, inklusive der Ergonomie, schüttelte er nur den Kopf.
 
„Ich bin mir gar nicht sicher, ob Ellen überhaupt versteht, was ERGONOMIE bedeutet!!!“, platzte es aus Kolin heraus.
 
„Wie Du dein Handgelenk, Deinen Ellbogen und deine Schulter verdrehen musst, um einen Karabiner vom Gurt zu nehmen, dessen Schnapper nach aussen zeigen, ist VERRÜCKT. Schnapper nach innen sind VIEL ergonomischer.“
 
Und dann fügte er noch hinzu:
 
„Ich würde Ellen jederzeit herausfordern, wer seine Karabiner mit welcher Methode schneller vom Gurt runter hat!“
 
Als er sich beruhigt hatte, verteidigte Kolin seine bevorzugte Methode.  
 
„Ich glaube, dass Du mit dieser Methode Deine Schlingen oder Cams schneller vom Gurt aushängen kannst, weil es eine natürlichere Bewegung ist. Nach unten, Schnapper greifen, hochziehen. Wenn Du Leute beobachtest, die nach Schnappern greifen, die nach aussen zeigen, siehst Du, wie komisch sie ihre Handgelenke verdrehen. Also ja, so geht es schneller. Und jede Sekunde hilft mir.“
 
Nachdem Kolin Powick in den Entwicklungsprozess aller Karabiner involviert ist, die Black Diamond hier in Salt Lake City verlassen, drängte sich die nächste Frage auf – und zwar ob die Produktdesigner die Einhängemethode am Gurt bei der Entwicklung berücksichtigen.  
 
„Das ist eine gute Frage.“ sagte Kolin. „Wir sprechen sicher darüber, aber wir können keine Karabiner entwerfen, für die es nur eine Methode gibt, denn manche von uns machen es eben so und andere so.“
 
Aha! Beim Gespräch mit Kolin sind wir scheinbar zum Kern der Sache vorgestossen und haben auf diese Weise die vorletzte Frage beantwortet. Wenn Karabiner bei Black Diamond entworfen werden, die bei beiden Methoden – Schnapper nach innen oder aussen – punkten, kann das nur eines bedeuten: beide Methoden sind „approved“.
 
„Ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass es eine Rolle spielt.“ fügte Kolin hinzu. „Eine Menge Kletterer machen es so oder so.“


Image: Andy Earl

ZUSAMMENFASSUNG

Trotz einer starken Vorstellung der Schnapper nach aussen-Verfechter sind in Wirklichkeit aus der Sicht von Black Diamond beide Methoden richtig. Dennoch schärft dieser Artikel das Bewusstsein bezüglich der Frage, in welche Richtung Deine Schnapper oder die Deines Kletterpartners zeigen.  
 
„Ein guter Partner weiss, wie der andere seine Karabiner am Gurt trägt.“ findet Kolin.
 
Denke also daran, wenn Du das nächste Mal mitten in einer Mehrseillängenroute die Führung übergibst. Will Dein Partner die Schlingen mit Schnapper nach innen entgegennehmen? Oder Schnapper nach aussen?  
 
Oh, und noch eine letzte Sache. Natürlich haben wir eine Menge Kletterer vorgestellt, die die Schnapper nach aussen-Methode bevorzugen. An dieser Stelle wollen wir das noch ein wenig ausgleichen.
 
Denn Black Diamond-Athlet Alex Honnold zum Beispiel hängt seine Karabiner mit dem Schnapper nach innen an seinen Klettergurt.


Image: Kolin Powick

Warum?

„Hab ich schon immer so gemacht.“, sagt er. Und im typischen Honnold-Stil fügt er noch hinzu:

„Ich glaube es macht keinen Unterschied.“

Und wie immer hat Honnold recht. 

—BD Content Editor Chris Parker