QC Lab: Verlängern einer Cam-Schlinge
So in etwa stelle ich meine Ausrüstung für eine Mehrseillängenroute zusammen:
- Camalots (mit einem Karabiner an jedem Cam),
- ein Satz Stopper,
- Quickdraws und
- einige einzelne Karabiner an meinem Klettergurt. Mehrere Schlingen über der Schulter mit je einem Karabiner.
Wenn ich einen Camalot platziere, nehme ich einen, platziere ihn, hänge das Seil ein und weiter geht's.

Wenn ich beim Platzieren eines Camalot die Schlinge verlängern möchte, platziere ich ihn und hänge entweder eine meiner Quickdraws so in die Schlinge ein:

Oder ich nehme eine Schlinge von der Schulter und verlängere auf folgende Art und Weise:

Super einfach.
(Zur Info: Wenn ich einen Stopper platziere, verwende ich entweder einen Quickdraw, eine Schulterschlinge mit dem Karabiner daran PLUS einen extra Karabiner, oder einen Quickdraw UND eine Schulterschlinge für zusätzliche Länge.)
Vor einiger Zeit war ich mit einem Freund beim Klettern in der Wüste. Beim Klettern an einem Turm kam ich an einigen Platzierungen wie diesen vorbei und war verwirrt.


Ich sah, wie er ewig an den Camalot-Platzierungen herummachte und wunderte mich, was da oben los war. Er brauchte ewig. Ich dachte, vielleicht ist er so stark, dass er das gar nicht merkt. Ich jedenfalls muss ein Sicherungsgerät platzieren, einhängen und sofort weiterklettern, bevor es mich so aufpumpt, dass ich mich nicht mehr festhalten kann. Im Nachstieg wunderte ich mich über diese ungewöhnlichen Konstellationen mit Schlingen an Schlingen an Camalots usw.
- Warum tut er das?
- Wie wirkt sich das auf die Festigkeit aus?
- Und natürlich blies es mir die Arme auf, dass alles zu spät war.
Ich meine, Nylon an Nylon oder Spectra an Spectra usw., das fühlt sich irgendwie nicht gut an. Es geht dabei auch nicht um saubere Ankerstiche sondern einfach Durchfädeln...
Als ich am Stand ankam, fragte ich meinen Kletterpartner nach seiner Methode. Plötzlich dämmerte es mir - ahhhh ein echter "old-school Alpinist" - Gewicht und Karabiner sparen usw. Alte Gewohnheiten wird man nicht mehr los. Als ich von diesem Wochenende zurückkehrte, erklärte ich die Situation dem Team im QA-Labor und wir führten einige Tests durch.
Die Tests
Fädelten einige 8 mm Spectra durch eine typische Cam-Schlinge und führten einige Tests am Zugfestigkeitsprüfgerät durch und simulierten einige Stürze am Freifallturm. Wir verglichen die Resultate mit denselben Tests an einer Cam-Schlinge:

Hier die Ergebnisse:
Zugtests:
15,6 kN
16,2 kN
15,5 kN
Durchschnittlich: 15,8 kN
Bisher durchschnittlich erzielter Wert NUR mit Cam-Schlinge: 25,5 kNDies bedeutet, dass die Schlinge-an-Schlinge-Methode nur 61,8 % des durchschnittlichen Werts erzielt. Oder anders gesagt, mit dieser Methode reduziert sich die Festigkeit der Cam-Schlinge um fast 40 %.
Sturztests (Hinweis: dies sind KEINE UIAA-Sturztests)
Bei beiden Testkonfigurationen (d. h. nur Cam-Schlinge und Cam-Schlinge mit 8 mm Spectra gefädelt) versagte das Seil nach mehr als sechs aufeinanderfolgenden Faktor 2-Stürzen (80 kg) mit Spitzenbelastungen von über 10 kN. Die Cam-Schlinge- oder Schlinge-an-Schlinge-Methode war in den Sturztestszenarios NIEMALS der versagende Modus.
Zusammenfassung
Die Schlinge-an-Schlinge-Methode beim Verlängern eines Camalot spart zwar einen Karabiner, ist jedoch für den Vor- und Nachsteiger umständlich in der Handhabung. Außerdem wird anscheinend die ultimative Festigkeit des Systems reduziert, jedoch nicht auf eine Art und Weise, die man in einer echten Klettersituation als schwächstes Glied bezeichnen würde.
Unterm Strich
Verwende beim Verlängern einer Cam-Schlinge einfach einen Karabiner, um dir und anderen das Leben leichter zu machen. Wenn du einfach auf wenig Gewicht stehst, funktioniert auch die Schlinge-an-Schlinge-Methode. Sei dir jedoch darüber im Klaren, dass sie das System schwächt. Hinweis: Keiner unserer Tests berücksichtigt mögliche Abnutzung durch Reibung und Abrieb, wodurch die Festigkeit der Verbindung noch weiter verringert werden könnte.
Climb Safe,
KP
Kolin Powick (KP) ist Maschinenbauingenieur aus Calgary, Kanada. Er besitzt fast 20 Jahre Erfahrung im Ingenieurswesen und ist seit 2002 Director of Global Quality bei Black Diamond. Kolin überwacht die Tests von allen Black Diamond-Produkten - von den Prototypen bis hin zu den fertigen Produkten und die zugehörigen Stichprobentests.

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