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Exum Files – Teil 3: Technische Passagen beim Skibergsteigen

Tuesday, Januar 16, 2018
In Teil 3 der Exum Files bitten wir den erfahrenen Bergsteiger und Exum Guide Zahan Billoria um Tipps zu einer effektiven Herangehensweise an technische Passagen in anspruchsvollem Gelände.

Der Exum Guide Zahan Billoria erfüllt die drahtige Erscheinung eines echten Bergsteigers. Fit, flink und energiegeladen besitzt „Z“ eine fast übernatürliche Fluidität, mit der er sich am Berg mühelos und zielstrebig fortzubewegen scheint. Früher war er Mitglied des U.S. Ski Mountaineering Teams und verbrachte einige Jahre damit, seine Fähigkeiten bei Hochleistungs-Besteigungen und Abfahrten unzähliger Gipfel in der Teton Range zu entwickeln und auszubauen. Technisch anspruchsvolle Passagen und Effizienz gehören also zu seiner Grundausstattung. Als wir den Vater von zwei Kindern um ein Gespräch über skitechnische Schwierigkeiten in anspruchsvollem Gelände beim Skibergsteigen baten, erfuhren wir einige interessante Details.


Images: David Stubbs

F&A:

Skibergsteiger haben doch eine Reihe an Tricks parat, um technische Passagen zu überwinden, die zum Beispiel ein Abschnallen und Tragen der Ski erforderlich machen. Was sind die wichtigsten Punkte, die Skifahrer in technischen Passagen berücksichtigen sollten?

Es ist leicht, sich auf die technische Ausrüstung, das Seil oder den Standplatz zu konzentrieren. Allerdings bieten diese Dinge keine Sicherheit, wenn Du Dich eigentlich zur falschen Zeit am falschen Ort befindest. Das wichtigste ist, basierend auf der Beobachtung Deiner Umgebung, des Schneedeckenaufbaus und des Wetters, die richtige Tour zu wählen. Wenn die Bedingungen unsicher werden, dann solltest Du vorsichtig umkehren.

Warum ist immer die Gesamtsituation am wichtigsten?

Meistens kommen Skifahrer nicht ums Leben, weil sie den falschen Karabiner verwendet haben. Das grösste Risiko der Skifahrer ist das Gelände, in dem sie sich bewegen. Schnee ist ein unglaublich komplexes Medium, es befindet sich ständig im Wandel und verhält sich sehr dynamisch. Neunzig Prozent meiner Bandbreite in den Bergen wird durch die Bewertung der Stabilität verbraucht. Die technischen Fragen sind vergleichsweise einfach.


Wann sollten wir zum Seil greifen? Wann ist es zu früh, wann zu spät?

Ein Seil ist ein einfacher und eleganter Ausrüstungsgegenstand, der in vielen Situationen beim Skibergsteigen eine gewisse Sicherheit bieten kann. Es kann im Falle von Wechten, beim Einstieg in eine Steilabfahrt oder beim Testen der Schneeoberfläche zum Einsatz kommen. Wenn Du den Umgang mit dem Seil beherrschst, wirst Du es öfters einsetzen. Das System sollte einfach sein und Du kannst das Gelände nutzen, um deinen Standplatz zu optimieren. Oft brauchst du noch nicht einmal einen Gurt, da reicht schon ein Palstek um die Hüfte. Wenn Deine Abfahrt eine technische Lösung erfordert, solltest Du Deine Ausrüstung früh einsatzbereit machen, wenn möglich schon am Start der Abfahrt. Es ist mühsam, den Rucksack erst am Standplatz auf halber Strecke abzunehmen. Daher ist es sinnvoll, den Gurt bereits vor der Abfahrt anzulegen, eine Bandschlinge parat zu haben, Seilschlaufen um den Oberkörper gelegt oder zu einer Seilpuppe aufgeschossen griffbereit im Rucksack zu verstauen. Dies verkürzt die Zeit, während der Du mit Deiner Ausrüstung herumhantierst.

Wie sieht es mit der Befestigung der Ski aus? Eispickel? Wann, warum und wie?

Das Überwinden von anspruchsvollem Gelände erfordert eine ständige Anpassung. Erst fährst Du Ski, dann musst Du möglicherweise abklettern oder abseilen. Möglicherweise bist Du gerade beim Aufstieg mit Fellen, musst aber die Ski abschnallen und zu Fuss weiter. Da solche Übergänge Zeit erfordern, lohnt es sich, die Ski am Rucksack zu befestigen, um schneller im Gelände voranzukommen, ohne den Rucksack abnehmen zu oder stehenbleiben zu müssen.


Was sind die Vorteile und Einschränkungen eines vorinstallierten Standplatzes?

Als Skifahrer finden wir unsere Standplätze häufig an weniger wünschenswerten Positionen, zum Beispiel am Ende einer Abfahrt mit dem Grossteil des Hangs genau über uns. Standplätze sind nicht sicher, wenn sie sich unter steilen und unsicheren Schneefeldern befinden. Also wollen wir uns dort nur so kurz wie möglich aufhalten. Zügig weiter. Wenn die erste Person bereit ist, kann sie zum Standplatz fahren und alles einrichten, ohne von den anderen Leuten im Team und ihren Ski bedrängt zu werden. So kann der Standplatz überprüft, das Seil durchgefädelt und andere Ausrüstung in Einsatzbereitschaft gebracht werden. Auf diese Weise müssen sich die anderen nicht erst am Stand einhängen, sondern können sich gleich an ihren Geräten abseilen, ohne viel Zeit zu verlieren. Wenn zum Beispiel die erste Person an ihrem Abseilgerät gesichert ist, können die beiden nächsten Skifahrer an je einem Seilende abseilen. Das Seil wird durch das Abseilgerät der Person, die am Stand wartet, gehalten.


Wie verhält sich ein Team, dessen Mitglieder unterschiedliche Fähigkeiten besitzen? Zum Beispiel, wenn ein Mitglied ein starker Skifahrer und ein anderes ein starker Kletterer ist.

Die erste Person hat die meiste Arbeit und die meisten Optionen. Dies sollte also immer die erfahrenste Person sein. Sie kann das ganze System einrichten, während der Rest des Teams an einem sicheren Ort wartet. Sobald sie sich am Seil eingehängt hat, kann sie (nach etwa 10 bis 20 cm) einen Stopperknoten unter ihrem Abseilgerät binden, um sich selbst zu sichern. Mit den einzelnen Seilsträngen, die zurück durch den Stand verlaufen, kann sie jede Person sichern, um im Falle eines Ausrutschers einen Sturz aufzufangen.

Beim Verlassen von gefährlichem Gelände: Was hat es damit auf sich, sich erst in Sicherheit zu bringen und dann das Seil aufzuschiessen?

Behalte die Gesamtsituation im Auge. Steile Rinnen sind keine Orte, an denen man sich lange aufhält. Wenn die letzte Person abgeseilt hat, kann sie einfach weiter nach unten fahren. Sie sollte in ein Seilende einen Knoten gebunden haben (bei einem vorinstalliertem Stand). Am Seilende bleibt dieser Knoten im Sicherungsgerät hängen und zieht das andere Seilende durch. Die Person kann dann bis zu einem sicheren Ort am Ende der Rinne weiterrutschen und das Seil im Schnee hinter sich herziehen. An einem sicheren Ort angekommen, kann das Seil wieder verstaut werden, ohne dass sich die Person unnötig der von oben drohenden Gefahr aussetzt.


--Interview von Jeff Burke


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